FOLGE 7 ANHÖREN
Unser vollständiges Gespräch über Dom, Sub und Switch, persönliche Erfahrungen und die kleinen Meinungsverschiedenheiten dazwischen.
Auf Spotify anhörenAm Anfang der Folge merken wir selbst, wie leicht man verschiedene Dinge durcheinanderwirft: Wer im Alltag bestimmt auftritt, muss in einer BDSM-Dynamik noch lange nicht dominant sein. Und wer sich gern führen lässt, ist deshalb weder schwach noch im ganzen Leben submissiv. Die Begriffe Dom, Sub und Switch erklären wir in unserem Ratgeber. Hier geht es um unsere Erfahrungen als Paar und darum, was diese Rollen für uns praktisch bedeuten.
Was macht für uns einen guten Dom aus?
Unsere Antwort beginnt vor der Session. Wir sprechen über Wünsche, Grenzen, Stoppsignale und darüber, was gerade möglich ist. Wenn zwei Menschen nicht zusammenpassen, macht das niemanden automatisch zu einem schlechten Dom oder Sub. Es bedeutet aber, dass sie kein gemeinsames Spiel erzwingen sollten.
Führung braucht Aufmerksamkeit und Verantwortung. Ein Dom kann nicht allein aus der eigenen Erfahrung ableiten, wie sich eine Handlung für einen anderen Menschen anfühlt. Genau diese Unsicherheit kannten wir am Anfang selbst. Deshalb war für uns das langsame Herantasten und das Gespräch danach wichtiger als ein souveräner Auftritt.
Ein Dom muss auch nicht ständig ernst sein. Wir lachen in unseren Sessions und können trotzdem klare Absprachen haben. Für uns ist entscheidend, ob die führende Person zuhört, Grenzen achtet und bei Unsicherheit nachfragt.
Wo endet Dominanz und wo beginnt Kontrollverhalten?
In der Folge diskutieren wir, was Führung von Kontrolle unterscheidet. Unsere gemeinsame Linie: Eine vereinbarte Dynamik lebt davon, dass die andere Person freiwillig mitgeht. Wenn jemand Grenzen ignoriert, ein Nein kleinredet oder behauptet, ein vorher vereinbartes Stoppwort (Safeword) sei unnötig, ist das für uns ein Warnsignal.
Ein Stoppsignal bleibt ein Stoppsignal, unabhängig davon, welche Rolle jemand gerade einnimmt. Eine Rolle gibt niemandem das Recht, ohne Zustimmung über den Alltag oder den Körper eines anderen Menschen zu bestimmen. Mehr zu dieser Grundlage steht in unserem Beitrag über Consent und Grenzen im BDSM.
Was wünschen wir uns von einem Sub?
Auch die submissive Seite gestaltet die Dynamik mit. Wer Wünsche benennt und Grenzen setzt, hilft dem Gegenüber, verantwortungsvoll zu führen. Die Aussage „Ich habe keine Grenzen“ klingt vielleicht nach Vertrauen, lässt aber wichtige Fragen offen: Was ist ausdrücklich gewollt? Was ist tabu? Was braucht jemand, wenn eine Situation zu viel wird?
Wir unterscheiden außerdem zwischen einem Wunsch und einer Forderung. Ein Sub darf sagen, welche Fantasien ihn reizen; der Dom darf ebenfalls eigene Grenzen haben. Wenn Interessen nicht zusammenpassen, lässt sich das im Vorgespräch klären. Freiwillige Hingabe entsteht für uns aus Vertrauen, nicht aus dem Druck, eine Rolle perfekt spielen zu müssen.
Warum sprechen wir nach einer Session weiter?
Für uns endet Verantwortung nicht mit dem letzten Moment des Spiels. Wir sprechen darüber, was sich gut angefühlt hat, was zu viel war und was wir beim nächsten Mal anders machen möchten. Solches Feedback ist keine Kritik an der Rolle, sondern eine Möglichkeit, einander besser zu verstehen. Dazu gehört auch die Nachsorge (Aftercare): Welche Form von Ruhe, Nähe oder Abstand jemand danach braucht, kann unterschiedlich sein.
Gelten Dom und Sub auch im Beziehungsalltag?
Bei uns sind die Rollen außerhalb einer Session nicht dauerhaft festgelegt. Im Alltag begegnen wir uns als Paar auf Augenhöhe, auch wenn wir uns gelegentlich spielerisch necken. Andere Menschen vereinbaren eine länger andauernde Dynamik aus Dominanz und Hingabe (D/s), etwa 24/7-D/s, oder sprechen über Total Power Exchange (TPE). Diese Modelle sind nicht einfach die Verlängerung einer einzelnen Session: Sie brauchen besonders klare Absprachen darüber, was gilt, wo die Grenzen liegen und wie beide Veränderungen ansprechen können.
Eine Entscheidung beim Abendessen oder eine Führungsrolle im Beruf verrät übrigens wenig darüber, welche BDSM-Rolle jemand bevorzugt. Wir reden in der Folge selbst darüber, wie unterschiedlich Alltag und Spiel sein können.
Warum nennen wir uns beide Switcher?
Wir haben erst durch gemeinsames Ausprobieren gemerkt, dass uns beide Seiten etwas geben. Beim Führen mögen wir es, eine Session zu gestalten und dem anderen eine gute Erfahrung zu ermöglichen. Beim Loslassen gefällt uns, nicht alles entscheiden zu müssen und dem Gegenüber Vertrauen zu schenken. Das fühlt sich bei uns nicht immer gleich an und lässt sich auch nicht in eine feste Prozentzahl pressen.
Manchmal wechseln wir die Rollen sogar innerhalb einer Session. Das funktioniert für uns, weil wir einander kennen und uns über Erwartungen und Grenzen verständigen. Switch zu sein verpflichtet niemanden, mit jeder Person beide Seiten auszuprobieren. Auch wir können uns nicht bei jedem Menschen gleichermaßen fallen lassen.
In der Folge fragen wir uns auch, ob man Dominanz „lernen“ kann. Bei uns verlief der Weg über Erfahrung, Gespräche und das Erkennen eigener Vorlieben. Welche Bezeichnung euch hilft, dürft ihr selbst herausfinden – oder ihr verzichtet ganz auf ein Etikett. Unser Rollentest kann Fragen für ein Gespräch liefern, aber keine Rolle verbindlich festlegen.
Wo findet ihr euch wieder?
Führt ihr gern, lasst ihr euch lieber führen oder kennt ihr beide Seiten? Hört Folge 7 und erzählt uns, welche Fragen euch zu Rollen und Grenzen beschäftigen.
Folge 7 auf SpotifyDie Grundlagen lest ihr im Ratgeber zu Dom, Sub und Switch.